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Aktuell

15.05.2013

Werben mit Osteopathie – aber wie? Fortsetzung



Die zunehmende Bereitschaft der gesetzlichen Krankenkassen, die Satzungsleistung Osteopathie zu erstatten, erfreut sich großer Beliebtheit, nicht nur bei Patienten, sondern auch bei den diversen Leistungserbringern.

Die Anbietervielfalt nimmt stetig zu und damit auch der Wettbewerb der Therapeuten um die Gunst und den Geldbeutel der Patienten.

Wettbewerb im Gesundheitswesen ist erlaubt und hat durch die Novellierung des Heilmittelwerbegesetzes in 2012 - gerade in Bezug auf die Publikums - (Patienten) werbung einen regelrechten Schub erlebt, da mehr erlaubt, als je gedacht.

Doch aufgepasst: Es gilt weiterhin die goldene Regel : Werbung darf nicht irreführend sein.

Wer sich und seine Werbemaßnahmen vor dem Druck wachsender Konkurrenz jetzt mal auf die Schnelle "aufhübscht" und beispielsweise der eigenen Homepage das schon lange fällige Facelifting verpasst, um aus der Masse der Mitbewerber herauszustechen, darf sich zwar jetzt in Berufskleidung ablichten lassen, sollte jedoch Übertreibungen jeglicher Art unterlassen, um nicht die Wettbewerbshüter oder auch mit im Wettbewerb stehende Kollegen auf den Plan zu rufen.

Weshalb ?

Da erweitert sich beispielsweise bei einigen der Indikationskatalog für Behandlungen mit Osteopathie auf geradezu inflationäre Weise, nach dem Motto - es gibt nichts, wo Osteopathie nicht hilfreich eingesetzt, um "wirken, regulieren, aktivieren, heilen, lösen" zu können und in übertriebener Weise werden hierbei Wirkungsbehauptungen aufgestellt und Linderung und Heilung in Aussicht gestellt, die dann bei einer ausgesprochenen Abmahnung wegen Irreführung im Sinne der §§ 5 Abs 1 Nr. 1 UWG (Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb) und § 3 HWG (Heilmittelwerbegesetz) nicht entsprechend belegt werden können.

Andere wiederum erwecken gleich den Eindruck ihres besonderen Expertentums innerhalb der Osteopathie und bezeichnen sich kurz und knapp als "Fachosteopath" bzw. gleich die Praxis als "Fachpraxis für Osteopathie".

Auch in bezug auf eine fortschreitende (Pseudo) Spezialisierung innerhalb der Osteopathie scheint ein Trend eingeläutet, der in Bezeichnungen wie Schwangerenosteopathie, Säuglingsosteopathie, Hypnose-Osteopathie etc. vermutlich noch nicht den Höhepunkt an Wortschöpfungen gefunden hat und das ausschließliche Ziel verfolgt, potentielle Patienten von der eigenen fachlichen Besonderheit und Behandlungskompetenz zu überzeugen.

Vor dem Hintergrund, dass es nachwievor keinen eigenständigen Berufsstand Osteopath gibt, die Weiterbildung gesetzlich nicht geregelt ist (außer in Hessen) und bereits der Begriff "Osteopath" von abmahnenden Organisationen gerne auch mal als "Phantasiebezeichnung" bezeichnet und abgemahnt wird, kann nur empfohlen werden, bei der Werbung "den Ball flach" zu halten.

Das Führen der Bezeichnung "Fachpraxis" beispielsweise ist nur solchen Heilbehandelnden erlaubt, die ihre speziellen Fachkenntnisse und Befähigungen nach den dafür geltenden gesetzlichen Regeln erworben und nachgewiesen haben. Das trifft in der Regel auf von Medizinern geführte Praxen zu, die eine nach mehrjähriger Ausbildung und Prüfung durch die jeweilige Landesärztekammer an approbierte Mediziner verliehene Facharztbezeichnung führen, jedoch nicht auf Osteopathen, die ihre Weiterbildung an privatrechtlich organisierten Instituten absolviert haben, die nicht dazu berechtigt sind, offizielle Fachbezeichnungen zu vergeben.

Vor diesem Hintergrund besteht bei der Verwendung der Begriffe Fachosteopath oder Fachpraxis für Osteopathie der fälschliche Eindruck, es handele sich hierbei um eine staatliche bzw. eine nach einer Berufsordnung legitimierte Zusatzbezeichnung im Bereich der Osteopathie, die eine gesteigerte Qualifikation und Befähigung des Behandlers impliziert, wie es bei der Facharztbezeichnung zutreffend und im Bereich der Osteopathie - objektiv - nicht der Fall sein kann.

Sich also kurz und knapp als Kinderosteopath oder Sportosteopath zu bezeichnen, birgt vor diesem Hintergrund das Risiko, wegen Irreführung sich eine Abmahnung einzuhandeln.

Und gleich ob Kinder-,Säuglings-,Sportosteopath - mit diesen Pseudobezeichnungen hat sich in bezug auf die Ausübung der Osteopathie nichts geändert. Wer Osteopathie vollumfänglich ausüben möchte, bedarf nachwievor der ärztlichen Approbation bzw. des Heilpraktikerstatus.

Auch in bezug auf die Verwendung des Begriffes Heilpraktiker durch die Osteopathie-Szene treibt es Blüten. Die Berufsbezeichnung und korrekte Darstellung "Heilpraktiker (Deutschland) ist offensichtlich dem einen oder anderen zu schlicht, so dass Kraft überschäumender Kreativität bisweilen Wortschöpfungen wie Heilpraktiker für Osteopathie, Heilpraktiker für osteopathische Medizin, staatlich geprüfter Heilpraktiker, staatlich anerkannter Heilpraktiker oder auch examinierter Heilpraktiker für Osteopathie auf so mancher Praxis-Homepage anzutreffen sind. Alle diese Bezeichnungen sind in der jeweiligen Form nicht zulässig.

Nicht zulässig ist auch die Verwendung der Bezeichnung "Diplom-Osteopath". Gleich, ob abgeleitet und interpretiert von der Kennung DO oder vom Begriff "Diplom(a)", aufgedruckt auf dem jeweiligen Abschlusszertifikat der diversen privaten Weiterbildungseinrichtungen für Osteopathie, ist der Hinweis auf Diplom bzw. die Bezeichnung "Diplom-Osteopath" oder auch "diplomiert in Osteopathie" irreführend nach § 5 UWG - Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb.

Unter einem Diplom versteht man - ein Bedeutungswandel hat auch im Zeitalter von BSc und MSc bisher noch nicht stattgefunden - einen akademischen Abschluss, erworben nach einem ordnungsgemäßen Studium, an einer Universität, Hochschule oder Fachhochschule. Die osteopathische Weiterbildung findet jedoch an privaten Einrichtungen statt, die nicht den Charakter einer Hochschule besitzen. Erst seit 2012 ist es möglich, an einer deutschen Fachhochschule ein grundständiges Studium in Osteopathie, mit Abschluss BSc, zu absolvieren.

Im Zusammenhang mit der Verwendung der irreführenden Bezeichnung "Diplom-Osteopath", aber auch generell bei der Vorstellung in der eigenen Vita wird meist von einem 5jährigen Studium der Osteopathie gesprochen. Diese Aussage ist in zweierlei Hinsicht fälschlich dargestellt. Unter einem Studium versteht man eine akademische Ausbildung an einer Hochschule oder Fachhochschule. Die osteopathische Weiterbildung findet jedoch - wie schon beschrieben - an privaten Einrichtungen statt, wobei der Gesamtzeitraum von 5 Jahren zwar zutreffend ist, allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine Vollzeit, sondern um eine Teilzeit bzw. berufsbegleitende Weiterbildung. Diese Tatsache haben findige Anwälte bereits herausgefunden und bei ergangenen Abmahnungen auf diesen Umstand hingewiesen, in dem sie die Gesamtstundenzahl verteilt auf 5 Jahre berufsbegleitender Weiterbildung auf eine Weiterbildung in Vollzeit von unter einem Jahr heruntergerechnet haben. Mit anderen Worten - fehlt das Wort "berufsbegleitend", dann kann dies als "Irreführung durch Unterlassen" gewertet und abgemahnt werden.

Wo lauern weitere Fallstricke ?

Vorsicht auch beim Umgang mit im Ausland erworbenen akademischen Graden. Diese dürfen - wenn sie nach dem Recht des Herkunftslandes von einer zur Verleihung berechtigten anerkannten Hochschule aufgrund eines tatsächlich erbrachten ordnungsgemäßen Studiums verliehen wurden, meist genehmigungsfrei in Deutschland in der verliehenen Form unter Angabe der verleihenden Hochschule geführt werden, eine Umwandlung in einen entsprechenden deutschen Grad ist jedoch nicht erlaubt.

Aufgepasst auch bei Verwendung des eigenen Doktor-Titels. Handelt es sich hierbei nicht um einen Doktor der Medizin, sollte - um eine Fehlvorstellung bei Patienten auszuschließen - immer der Hinweis erfolgen, auf welchem Gebiet der Doktor-Titel erworben wurde.

Fazit:

Die Osteopathie ist schon lange aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und Mitbewerber XY ebenso hellwach, wenn es darum geht, in Zeiten von Erstattungspraxis und wachsender Konkurrenz die eigenen Pfründe zu sichern. Ein prüfender Blick auf die Werbemaßnahmen des Mitbewerbers kann ganz schnell aufdecken, ob die Informationen dort wahrheitsgetreu oder die Imagepflege übertrieben, reißerisch und irreführend und vor diesem Hintergrund als wettbewerbswidrig zu werten ist.

15.05.2013 Brigitte Siegerist